Eine kleine Schatzkammer

das Bad Schwalbacher Kur -Stadt -Apothekenmuseum

Anlässlich der 650-Jahrfeier der Stadt Bad Schwalbach 2002 öffnete das neu gegründete Museum in der Pestalozzistraße seine Pforten. Seither haben zahlreichen Besucher aus Bad Schwalbach, dem Kreis und dem Rhein-Main-Gebiet, Gäste der Kliniken und ausländische Delegationen die informative Dauerausstellung zur Kur- und Apothekengeschichte Bad Schwalbachs besichtigt. Wegen des ansprechenden Ambientes lassen sich inzwischen auch Brautpaare im Museum trauen, Firmen kommen zu Betriebsausflügen und selbst Kindergeburtstage können hier gefeiert werden.

Weit über die Stadt und die Region hinaus bekannt ist das Museum inzwischen für seine Apotheke. Das Inventar der 1642 gegründeten, traditionsreichen Adler-Apotheke – sie ist die älteste im Taunus – brachte Apotheker Rudolf Kocher in die Stiftung ein, die das Museum trägt. „Wir zeigen hier eine gewachsene und vollständige Apothekenausstattung, alle ausgestellten Objekte waren am Ort vorhanden, nichts wurde für die Präsentation im Museum hinzugekauft“ erzählt die Museumsleiterin Dr. Martina Bleymehl-Eiler. „Dies ist in deutschen Apothekenmuseen sehr selten und viele Kollegen beneiden uns um diese geschlossene Sammlung“. Wer an einem Wochenende kommt und das Glück hat, von Herrn Kocher noch persönlich geführt zu werden, dem wird der Besuch in der Museumsapotheke als ein ganz besonderes Erlebnis in Erinnerung bleiben. Die DVD, auf der Herr Kocher das „Handwerk des Apothekers“ vorführt, ist ein beliebtes Andenken aus dem Museum. Sie wird auch zu Ausbildungszwecken eingesetzt.

Der große Erfolg, den das Museumsteam mit seinem Apotheken-Programm auf dem Kinderradiotag des Hessischen Rundfunks hatte, veranlasste die Museumsleiterin mit fachkundiger Beratung durch Apotheker Kocher ein museumspädagogisches Programm rund um die Apotheke zu entwickeln. Vom 13. bis 16. August 2009 finden erstmals „Kinderaktionstage“ statt. Kinder ab 5 Jahren können dann unter Anleitung das Geheimnis des „Schwalbacher Zauberwassers“ und der „Silberpillen“ ergründen und anderes mehr.

Veranstaltungen, wie der zur festen Einrichtung gewordene „Talk im Museum“, kleine Konzerte und Lesungen sowie die regelmäßig stattfindenden Sonderausstellungen gehören zum ständigen Angebot des Museums.

Die hochkarätige Ausstellung Marilyn Monroe – The Last Sitting. Fotos von Bert Stern, erregte überregional Aufmerksamkeit und lockte Besucher von weither an. Mit gut recherchierten Ausstellungen zur Kur- und Stadtgeschichte, so im letzten Jahr die Ausstellung „ Erinnern und nicht Vergessen – 70 Jahre Reichspogromnacht“, leistet das Museum seinen Beitrag zur Aufarbeitung der Stadtgeschichte. In Vorbereitung ist eine Ausstellung über die 50er Jahre in Bad Schwalbach, die im September eröffnet wird.

Für diese Ausstellungen kann die Museumsleiterin auf einen weiteren Schatz ihres Hause zurückgreifen: die Sammlung des „Aar-Boten“. „Als einzige Institution besitzen wir alle Ausgaben dieser für die Region so wichtigen Zeitung von 1861 bis 1972, als das bis dahin selbständige Blatt von der Rhein-Main-Verlagsgesellschaft übernommen wurde“, erläutert die Museumsleiterin nicht ohne Stolz. Sie freut sich darüber, dass immer häufiger Besucher die Zeitungsbände einsehen, sei es für Ortsjubiläen oder Examensarbeiten. „Es wäre schön, wenn wir die lokalen Nachrichten aus dem Aar-Boten einmal separat in einer Broschüre veröffentlichen könnten“, wünscht sich Bleymehl-Eiler, „ es ist spannend zu lesen, wie Kommunalpolitiker Probleme in der Stadt in früherer Zeit anpackten und was so alles in der Stadt und unter den Kurgästen passierte“. Für die zeitintensive Erfassung der Artikel wünscht sich die Museumsleiterin personelle Unterstützung und auch Sponsoren, der den Druck der Broschüre unterstützt.

„Generell suchen wir für die wachsenden Aufgaben des Museumsbetriebes noch ehrenamtliche Helfer. Sie sind für das Museum unverzichtbar, denn sie übernehmen Aufsicht und Besucherbetreuung“, würdigt Bleymehl-Eiler das große Engagement des jetzigen Museumsteams.

Überaus erfreut sind Museumsleiterin und Stiftungsvorstand, Bürgermeister a. D. Günter Janisch, über das Engagement des Fördervereins des Museums. Als eine kleine Handdruckpresse, so wie sie früher auch in der Druckerei des Aar-Boten benutzte wurden, angeboten wurde, finanzierte der Förderverein den Ankauf: „Nun können wir die vorhandene Druckerei-Ausstattung des Aar-Boten zu neuem Leben erwecken. Wir haben uns im Freilichtmuseum Hessenpark in die „schwarze Kunst“ einweihen lassen“, meinte Janisch, „das war gar nicht so einfach.“ In Betrieb genommen wird die Druckpresse am Kinderaktionstag, dann dürfen die Teilnehmer ihre Mitmach-Urkunde selbst drucken.

Regelmäßiger Informationsaustausch mit Kollegen ist unerlässlich und so ist das Museum Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Pharmaziehistorischer Museen in Deutschland. Die kollegiale Hilfe, die sie dort erfahren hat, veranlasste die Museumsleiterin zusammen mit ihren Kollegen aus Bad Salzuflen die Arbeitsgemeinschaft der Kur- und Bädermuseen in Deutschland zu gründen. In der AG haben sich vor allem kleinere Museen zusammengeschlossen. „Wir leihen uns untereinander Exponate, aus oft auch ganze Ausstellungen aus, denn wir arbeiten ja alle an dem Thema Kur- und Badewesen“ berichtet Bleymehl-Eiler, „und wir bewerben unsere Museen deutschlandweit gemeinsam in einer pfiffig gestalteten Faltbroschüre“. Sie wurde gerade druckfrisch angeliefert und wird demnächst öffentlich vorgestellt. Erfreut zeigt sich Bleymehl-Eiler, dass nun auch Kollegen aus den europäischen Nachbarländern der AG beitreten und das Netzwerk nun grenzüberschreitend arbeiten kann.